Zum Ende der letzten Woche war es endlich soweit – Google+ wurde halbwegs öffentlich und so flatterte der erste Invite für das neue Social Network von Google in mein E-Mail-Postfach. Mit keinen großen Erwartungen habe ich mich angemeldet, was mich allerdings erwartet hat, übertraf alles. Ich bin noch immer begeisterst.

Der erste Eindruck

Wenn ich an meinen Start bei Facebook zurück denke, kommen keine guten Erinnerungen hervor. Der erste Eindruck war unübersichtlich, überfrachtet und unstruktiert. So zumindest der erste Eindruck von dem Social Network von Mark Zuckerberg.

Bei Google+ war es wesentlich anders. Google scheint aus den Fehlern seines Konkurrenten gelernt zu haben und die richtigen Schlüsse aus den Fehlern Facebooks gezogen. Ich war von der ersten Minute an begeistert, wie einfach und verständlich Google+ aufgebaut ist. Eine klare Linie in Design und Layout, eine bis dato beeindruckende Funktionsvielfalt- und -umsetzung.

Google Plus

Google Plus


Google hat seine Hausaufgaben gemacht

Wie eben bereits gesagt, Google hat dem Anschein nach Facebook ausgiebig studiert und auf die Benutzerwünsche und -bedürfnisse gehört. Facebook und Google+ haben zwei unterschiedliche Auffassung von Privatssphäre, die deutlich in den einzelnen Funktionen erkennbar ist.

Für Facebook alias Mark Zuckerberg gibt es laut eigener Aussage die bisherige Privatssphäre im 21. Jahrhundert nicht mehr. Diese sein überholt. Eine interessante Ansicht, die aber nicht die breiten Massen begeistert. Diese Lücke hat Google erkannt und, in meinen Augen, perfekt gefüllt.

Die neuen Funktionen von Google+

Die Basis für alle Interaktionen zwischen Benutzern und als Grundlage für Einstellungen bilden die sogenannten Circles. Mit Hilfe der Circles kann man seine Freunde und Bekannten in einzelne Gruppen, wie z.B. Arbeitskollegen, Familie, Nachbarn und Fußballkollegen unterteilen.

Bei Facebook war es bislang so, dass jede Statusnachricht potenziell für jeden Freund aus der eigenen Freundesliste sichtbar war. Es ist u.U. nicht immer gewünscht, das alle Freunde sämtliche Statusmeldungen und Fotos zu sehen bekommen. Es gibt zwar Listen, diese sind aber mehr schlecht als recht umgesetzt.

Die Circles von Google+ nehmen sich genau diesem Problem an und bieten die Möglichkeite nur an bestimmte Gruppen bzw. Circles eine Statusnachricht/Foto/Video zu posten. Eine sehr gelungene Idee.

Des Weiteren gibt es die sogenannten Sparks. Die Sparks sollen euch für verschiedene Interessensgebiete mit Informationen versorgen. Der Grundgedanke ist, die Informationen müssen nicht gesucht werden, die Informationen kommen zu dir.

Fast unscheinbar und unbemerkt kommt die Videochat-Funktionalität daher. Es Gruppenchat bzw. Gruppenvideokonferenz ist als sogenannter Hangout möglich. Das im Vergleich dazu, Facebook sich wahnsinnig feiert und es als Innovation anpreist, ist schon irgendwie symbolisch.

In den letzten Tagen war immer wieder zu lesen, dass Facebook mit aller Macht versucht den Export der eigenen Profildaten zu unterbinden. Bei Google+ ist ein Export der Userdaten problemlos in ein JSON-Dateiformat in den Einstellungen möglich. Es geht auch einfach.

Eine Youtube-Playlist mit informativen VIdeos zum Google+ Projekt.

Facebooks Antwort – ein übereilter Schnellschuss?

Die Antwort von Facebook ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem Mark Zuckerberg schon als „der Popstar von Google+“ gefeiert wurde und anscheinend das neue Google+ ausgiebig getestet hat, veröffentlichte Facebook gestern die Video-Chat-Funktionalität.

Wenn man bedenkt, dass man bei Google+ diese Feature quasi gratis dazubekommt und in der Medienkampagne von Google kaum Beachtung findet, klingt es für mich wie ein nervöses Zucken seitens Facebook. Eine panische Reaktion auf die Veröffentlichung von Google+. Schnell den User vermitteln, dass man auch innovative Ideen und Funktionen hat. Der erste Schritt Richtung Ohnmächtigkeit.

Im Zuge des Videochats wurde auch der eigentliche (Text)Chat umgestellt. Der neue Chat ist, gelinde gesagt, bescheiden.

Zukunftsplanungen von Facebook und Google

Wie sehen die Zukunftsplanung der beiden Giganten in Bezug auf ihre Social Networks aus? Google hat bereits angekündigt, dass auf die aktuelle Google+ Version noch einige Ausbaustufen folgen werden. Es fehlt bislang noch eine API für Google+, des Weiteren fehlt die Umsetzung von Seiten/Pages.

Facebook plant größtenteils die Einbindung in externe Programme voran zu treiben, also die Entwicklung von innovativen Ideen und Funktionen zurückzuhalten. Das sollte sich nach meiner Meinung zu einem Problem und letztendlich einem Rückgang der Userzahlen entwickeln.

Fazit

Kurz und knapp: Google+ wird auf lange Sicht gesehen Facebook als Social Network Nr. 1 ablösen. Die Funktionsvielfalt und -interpretation ist bei Google+ schlicht beeindruckend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bei neuen Funktionen vernachlässigt wird und somit sollte die gleiche Qualität gehalten werden.

Da Facebook nur sekundär auf die Ängste und Wünsche hört, dürfte Google+ arge Probleme in das Büro von Mark Zuckerberg bringen.

Habt ihr schon einen Google+-Account? Wie ist euer Eindruck?